Kritik an Merkel aus Afrika
22. August 2020Die Liste der Staats- und Regierungschefs, die an ihren Ämtern kleben, ist lang. Allein in Afrika sind es aktuell neun Präsidenten, die offenbar einfach nicht von der Macht lassen können, so die Zählung der südafrikanischen Wochenzeitung "The Continent". Es sind alles Männer. Für ihre aktuelle Ausgabe hat die Zeitung mit vier früheren Staatsoberhäuptern gesprochen, die rechtzeitig ihr Amt niedergelegt haben. Einer von ihnen ist Botsuanas Ex-Präsident Ian Khama.
Gemeinsam mit weiteren ehemaligen Amtskollegen aus Afrika kritisierte Khama Staats- und Regierungschefs, die eine dritte oder vierte Amtszeit anstreben. "Wenn jahrelang Wirbel um dich gemacht wird, möchtest du dir nicht vorstellen, nicht mehr im Amt und ein ganz normaler Bürger zu sein. Das ist das Problem dieses Kontinents", so Khama mit Blick auf Afrika.
Als Beispiele nennt er die mittlerweile gestürzten Präsidenten Robert Mugabe (Simbabwe) und Omar al-Bashir (Sudan). Auch an Paul Biya (Kamerun) lässt Botsuanas Ex-Staatschef kein gutes Haar. Seit 1982 im Amt habe Biya längst sein "Verfallsdatum überschritten".
Vorbild Nelson Mandela
Aber Khama kritisiert in dem Bericht über undemokratische Staatsführung auch eine Frau aus Europa: die seit 15 Jahren regierende deutsche Bundeskanzlerin. "Ich hatte immer viel Respekt vor Angela Merkel. Doch als sie zuletzt zur Wahl antrat, dachte ich mir, ob es nicht allmählich genug sei", so Ian Khama.
Ian Khama regierte Botsuana von 2008 bis 2018, als er das Amt nach zwei Perioden an seinen Nachfolger Mokgweetsi Masisi abgab.
Die ehemalige Interimspräsidentin der Zentralafrikanischen Republik, Catherine Samba-Panza, äußerte in der aktuellen Ausgabe von "The Continent" Lob für Nelson Mandela. Obwohl der südafrikanische Freiheitskämpfer 27 Jahre in politischer Haft verbrachte, sei er nach nur einer Amtszeit als Präsident zurückgetreten - "das ist außergewöhnlich".
AR/AL (kna, The Continent)