Die EU und die Gentechnik
20. Mai 2004Der umstrittene Gen-Mais Bt11 wird bereits seit 1998 in Europa als Zutat für alle möglichen Nahrungsmittel wie Maismehl oder Zuckersirup verwendet. Jetzt hat die EU-Kommission dem Antrag der Schweizer Firma Syngenta zugestimmt, den Mais in Dosen verpackt direkt im Supermarktregal anzubieten. Wie alle andere gentechnisch veränderten Lebensmittel in der EU muss der Mais einen entsprechenden, aber eher kleinen Hinweis auf dem Etikett tragen. Diese Kennzeichnungspflicht gilt seit Mitte April europaweit, betonte der EU-Kommissar für Verbraucherschutz David Byrne. Der Verbraucher könne deshalb frei entscheiden, was er kaufen wolle, sagte Byrne.
Keine Bedenken
Die EU-Kommission begründet ihre Entscheidung damit, dass ausführliche Untersuchungen in den letzten fünf Jahren gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Verbraucher durch den Gen-Mais ausgeschlossen hätten. "Der Mais wurde den schärfsten Prüfungen vor Markteinführung unterzogen, die es in der Welt gibt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Genmais genauso sicher ist wie jeder konventionelle Mais", versicherte Byrne.
Umweltschutzgruppen sehen das allerdings anders und sprechen von gesundheitlichen Gefahren. Das genetisch eingebaute Pflanzenschutzmittel könne im Körper der Verbraucher landen. Außerdem entstünden Nebenprodukte, die Allergien auslösen könnten, so der deutsche Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).
Die zuständigen Minister konnten sich im April nicht auf einen Beschluss zur Zulassung des Dosenmais für den Verkauf einigen. Nach geltendem EU-Recht musste die EU-Kommission jetzt entscheiden, da der Ministerrat nicht innerhalb der gesetzlichen Fristen handelte. Den Vorwurf der Europaabgeordneten Hiltrud Breyer von den Grünen, die Kommission setze sich über die Minister hinweg, wies Kommissar Byrne zurück.
Streit mit den USA
Mais von der Sorte Bt11 darf in Europa weiterhin weder gepflanzt noch angebaut werden. Ein entsprechender Antrag der Herstellerfirmen wird geprüft. Damit hat die EU das selbst auferlegte Moratorium beendet und erstmals seit vier Jahren wieder gentechnisch veränderte Lebensmittel zugelassen. Damit könnte der Streit mit den USA vor der Welthandelsorganisation WTO beigelegt sein. Die USA, in denen seit Jahren gentechnisch veränderte Lebensmittel in großem Stil produziert und verkauft werden, hatte die Europäische Union verklagt.
Geringe Akzeptanz
Die amerikanische Firma Monsanto und die deutsche BayerCrop Science, die ihre Gen-Produkte für gesundheitlich unbedenklich halten, haben neun Anträge zur Zulassung weiterer Maissorten, Sojabohnen und Ölsaaten gestellt. Vor 1998 waren bereits Futtermais, Raps, Chiccoree und Nelken mit veränderten Erbanlagen zugelassen worden. Die europäischen Verbraucher lehnen Nahrungsmittel aus dem Genlabor nach Umfragen zu 70 Prozent ab. Viele Landwirte wollen freiwillig auf gentechnisch verändertes Saatgut verzichten. Die Firma Monsanto hat in den USA und Kanada davon abgesehen, gentechnisch aufgepeppten Weizen auf den Markt zu bringen, weil die Weizenfarmer befürchteten, ihr Getreide in Europa nicht mehr verkaufen zu können. Unter Wissenschaftlern ist umstritten ist, ob gentechnisch verändertes Getreide normales Getreide auf benachbarten Feldern verunreinigen könnte. Ökologisch wirtschaftende Betriebe fürchten um die Reinheit ihrer Bio-Produkte.